Die Rundbriefe 2004 - 2000

(chronologisch absteigend geordnet)
Rundbriefe 2005/06/07/08/09 siehe Aktuelles

 

Dezember 2004

Ehrhardt Wichmann / Weihnachtsrundbrief

Zu Beginn wie immer: Wetterbericht.
Die Sommerregenzeit dieses Jahres brachte ein Wechselbad von Freude und Enttäuschung. Der Monsun begann in Meghraj pünktlich am 15. Juni mit kräftigen Schauern. Die Bauern pflügten und säten ihren Mais. Nach drei Tagen hörte der Regen allerdings wieder auf. Der Mais kam schnell bei Wärme und anfänglicher Feuchtigkeit, um dann fast überall zu vertrocknen; denn es dauerte 40 Tage, bis der Monsun wieder einsetzte. Das Gleiche passierte mit vielen der 100.000 Teakbäumlinge, die wie jedes Jahr in Südgujarat vom „Bäume“-Geld gekauft worden waren. Den 100 Mangobäumen, die an einige der Mahila Mandal Gruppen verteilten wurden, ist es hoffentlich besser ergangen. Für diese kostbaren Obstbäume werden die Frauen zur Not Wasser vom Brunnen herangetragen haben.

Es war so trocken, dass die ersten Bauern zu Peter kamen und ihn um Futter für ihr Vieh fragten, weil kein neues Gras gewachsen war.
Als es dann im August endlich wieder regnete, fanden die meisten Bauern, dass es für einen zweiten Versuch mit Mais zu spät sei, weil die Regenzeit normalerweise Mitte September zu Ende geht. Abgesehen davon hatten sie auch kein zweites Saatgut und auch kein Geld, neues zu kaufen. Also säten sie wenigstens Gras auf die schrägen Flächen, die sonst mit der Hauptfrucht Mais bestellt wurden, damit ihr Vieh Futter hatte.

Es regnete dann doch noch so viel, dass praktisch alle der inzwischen gebauten ca. 130 Erd- und die drei Steindämme voller Wasser waren. Das verspricht volle Brunnen und die Möglichkeit, im Winter wenigstens genug bewässerten Weizen und Senf und andere Früchte anzubauen. Die Niederschläge dauerten überraschenderweise so lange, dass die wenigen Landwirte, die es mit Mais noch einmal gewagt hatten, doch eine Ernte bekamen. Wie die Situation aussieht, lässt sich aus einem Brief von Fr. Peter vom 2.11. ersehen:

„die Kinder hier haben eben ihr Halb-Jahres-Examen beendet. Dieses Wochenende werden sie nach Hause gehen, um das Diwali- Fest zu feiern. Wir selbst werden auch eine kleine Feier diesen Freitag haben, ehe die Kinder heimgehen. Zu Hause wird es für sie nicht viel zu essen geben. Die Maisernte war eine Katastrophe, weil der Regen zu Beginn der Regenzeit ausblieb. Nun werden die, die Wasser in ihren Brunnen haben, es versuchen und Weizen im Winter säen.

Ich hoffte, weitere Dämme (mit dem zuletzt geschickten Geld, meint Fr. Peter wahrscheinlich) zu beginnen. Aber ein guter Teil der Leute, die bisher an solchen Dämmen gearbeitet hatten, fragen mich jetzt um Saatgut und Dünger, da sie kein Geld mehr haben. Ich werde eine Liste solcher Bauern anfertigen und ihnen dann helfen mit Saat und Dünger, ich bin sicher, Ehrhardt und Cornelia werden mit dieser Ausgabe einverstanden sein. Es ist ein dringender Bedarf da und so wird einiges Geld dahin gehen müssen.

Der Lahde-Damm (in Navagam) hatte kein Wasser mehr, als ich ihn nach meiner Ankunft besuchte. Aber die Gruben waren noch feucht. Das zeigt, dass es reichlich Wasser im Untergrund gibt. Der Brunnen, von dem wir das Wasser für den Bau geholt hatten, ist jetzt voller Wasser. Wir werden ringsum den Wasserstand in den anderen Brunnen (um den Damm) messen, um einen guten Bericht über die Wirkung des Lahde- Dammes zu schreiben.

Am Ruth-Damm (Bhadwaj) lief das Wasser noch über. Einige Jungen aus dem Dorf fingen (kleine, 5-8 cm lange) Fische in der Abendsonne. Das war eine wunderschöne Szene, die ich da beobachten konnte. Wenn alles gut geht, werden wir mit der Arbeit an einem neuen großen Damm einige hundert Meter stromaufwärts beginnen. Ich muss noch einen Wasserbau-Ingenieur befragen, um die Sache für mich zu klären.
Inzwischen gibt’s für mich eine Menge Papierkram zu erledigen...“

Neue Bäume pflanzen
Nach dem zweiten Start des Regens konnten auch die 24.000 Bambusstauden, die mithilfe der Familie von Tavra Kharadi im Dorf Panchal und noch einem anderen Bauern gezogen worden waren, an Interessierte verteilt werden. Eine gute Zahl ist auch an die Nachbarstation Nana Kantheria gegangen (dort hat vor ca. 15 Jahren der spanische Pater Ignaz Guardamino mit der Wiederaufforstung begonnen). Bambus wird vielseitig für Körbe und Geräte und auch beim Hausbau genutzt.

Die bei Beginn des Regens verteilten 100.000 Teakbäume haben unter der Unterbrechung des Monsuns sehr gelitten. Der Pflanzerfolg ist stark beeinträchtigt.
Neben der Wasser- und Bäume- Arbeit kann noch über kleinere Vorhaben berichtet werden: Die Produktion des von exakt auf die Bedürfnisse der jeweiligen Felder abgestimmten Kompostes geht weiter und ist erfolgreich, auch wenn der eigentliche Motor dieser Arbeit, ein Agrarfachmann aus Ahmedabad, ganz überraschend gestorben ist. Seine Frau ist es, glaub’ ich, die seine Arbeit jetzt weiterführt.

Ein Küchenherdprogramm?
Intensiv geredet haben Fr. Peter und ich über Möglichkeiten, die Küchenherde der Bauersfrauen im Kreis Meghraj zu verbessern, um Brennstoff (Ernteabfälle, Gestrüpp, Holz, Kuhmistbriketts) zu sparen. Die traditionellen Herde sind halbmondförmig aus Lehm gebaut, immer ein Topf/eine Platte findet auf der Feuerstelle Platz. Die Herde besitzen keinen Rauchabzug. Durch die einfache Bauweise – jede Frau versteht es, solch einen Herd zu bauen – wird der Primärbrennstoff nur zu 18 – 25 % ausgenutzt, (unsere modernen Elektroherde bringen es allerdings auch nicht auf mehr!) zudem breiten sich die Abgase in der Küche aus und vergiften die Atemluft.

Mit einem Metallrohr ließe sich leicht ein Rauchabzug schaffen. Allerdings muss dann das Problem der Zugregulierung gelöst werden, weil sonst der Brennstoffverbrauch steigt. Fr. Peter wird versuchen, sich mit indischen Organisationen, die Küchenherdprogramme anbieten, in Verbindung zu setzen. Er hofft auch eine Lösung für die großen Herde der Küche zu finden, auf denen für sein Schülerheim gekocht wird.

Solch ein Küchenherdprogramm wäre sehr nützlich, weil es das Problem des Mangels von Bäumen und Büschen von der Verbrauchsseite her anginge. Wenn weniger nachwachsende Brennstoffe abgeschlagen werden, kann mehr Grün in Sabarkantha ungestört hoch wachsen. Zusätzlich bringt es eine Arbeitsentlastung für viele Frauen mit sich, die dann seltener loslaufen müssen, um Brennstoff zu besorgen.

Besuch von Fr. Peter in Minden
Sehr schön war der zehntägige Besuch von Fr. Peter in Minden. Ein Gottesdienst, manche Schulbesuche, Diavorträge und viele persönliche Begegnungen und Gespräche standen auf dem Programm. Einen Höhepunkt bildete sicher der Besuch in der Realschule Lahde, die sich seit vielen Jahren großartig um die Verbindung mit Fr. Peter in Meghraj kümmert. Über 300 Schülerinnen und Schüler mit ihren LehrerInnen zeigten lebendige Vorführungen, hörten dem Bericht von Fr. Peter zu und sahen ein Video vom Bau des von ihnen finanzierten Dammes in Navagam. Als die Bilder dokumentierten, wie das Wasser den Überlauf ihres Dammes überströmte, klatschten die Schülerinnen und Schüler begeistert. Erfolgreiche Hilfe macht einfach Freude!
Eine gesegnete Adventszeit, ein frohes Weihnachtsfest und ein zuversichtlich ins neue Jahr Hineingehen wünschen

Cornelia Haber + Ehrhardt Wichmann

Der Rundbrief 12-04 als PDF-Dokument [51kB]

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Foto von der Umgebung des Lahde-Damms

November 2004

Brief von Fr. Peter / 8.11.04:

Arbeit an drei Dämmen begonnen
…“in diesen Tagen, wenn ich durch die Hügel gehe, stehen nur Daal (Linsen-) Stauden auf den Hügeln. Mais war zu 80 % ein Fehlschlag. Wir werden die Überlebensrate der Teakpflanzen überall da, wo sie gesetzt sind, überprüfen. Es ist ein großer Fehlschlag, auch finanziell – immer wieder geschieht das: Wenig oder gar kein Regen.
Diese Woche hat die Arbeit an drei Dämmen in Bhadwaj und in Navagam begonnen… Viele Bauern wollen jetzt Weizen säen, weil sie ringsherum Wasser in ihren Brunnen haben. Aber die meisten haben kein Bargeld Saatgut zu kaufen. So haben wir Kriterien erarbeitet, dass die Bauern, die beim Bau von Dämmen in ihren Dörfern geholfen haben, auch Saatgut und Dünger für den Winteranbau von Getreide erhalten.

Geld für Saatgut und Dünger
Die große Summe (aus der Aktion „Bäume für Sabarkantha“) die du überwiesen hast, ist bereits unserem Konto gutgeschrieben. Wir haben Versammlungen in verschiedenen Dörfern geplant, um geeignete Stellen für Dämme auszusuchen, aus Erde und auch mit Mauerwerk.
Die Zementpreise sind sehr niedrig dieses Jahr…“

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Oktober 2004

Pater Peter D’Souza in Minden

Informationsveranstaltung im Martinihaus am 4.10.04
Gruppenfoto mit TeilnehmerInnen

Es gab eine Menge zu berichten und viele Fragen mussten beantwortet werden. Der persönliche Kontakt tat gut und verstärkte das Vertrauen, dass die gesammelten Gelder sinnvoll verwendet wurden und werden. Schritte zur Wieder-Herstellung der Region (nach Abholzung und Raubbau) durch Aufforstung und Wassergewinnung wurden durch Fotos, Dias und Filme eindrucksvoll geschildert und belegt.

Treffen mit Pater Peter am 29.09.04 bei Ehrhardt Wichmann
mit Bericht über die aktuelle Entwicklung

Aus der MT-Online-Berichterstattung 12.10.04 von Ulrich Westermann

Ein Staudamm mit Namen “Lahde“
Realschule unterstützt seit Jahren die Region Sabarkantha in Indien

Petershagen-Lahde (Wes). Seit gut 14 Jahren wird von der Realschule Lahde ein Projekt unterstützt, das den Ureinwohnern von Indien, den Adivasis, zu Gute kommt.
Als Anerkennung für diese Hilfe ist in Sabarkantha ein Staudamm nach der Realschule benannt worden. Er heißt Lahde - School Dam.

Groß war die Freude bei Schülern und Lehrern über den Besuch von Jesuitenpater Peter D‘Souza, der als Organisator und Betreuer über das Programm berichtete. Begleitet wurde der Gast aus Indien von dem früheren Schulreferenten des Kirchenkreises Minden, Ehrhardt Wichmann.

Viele der Adivasis wohnen als Kleinbauern im Bezirk Sabarkantha. Nach der Abholzung der Wälder spülte der Monsunregen den fruchtbaren Boden von den Hügeln. Um der Erosion Einhalt zu gebieten, wurde beschlossen, die kahlen Hügel wieder mit Bäumen zu bepflanzen.
[...]

Achtung: Artikel, Fotos und sonstige Informationen aus dem MINDENER TAGEBLATT / MT-ONLINE
sind urheberrechtlich geschützt und dürfen nicht ohne Einwilligung der Chefredaktion verwandt werden.

Mehr Informationen über die Unterstützung durch die Realschule Lahde unter
http://www.rslahde.de

Der Lahde - School Dam nach den Monsunregenfällen August 2004

Aus der MT-Online-Berichterstattung 30.09.04 von Stefan Koch

Globale Reichweite bis nach Indien
Projektpartner aus Sabarkantha in Minden / Vortrag über Engagement

Minden (sk). Mehr als 3000 Menschen in der indischen Region Sabarkantha haben unter anderem durch Unterstützung aus Minden Arbeit in einem Aufforstungsprogramm gefunden. Jetzt reiste der örtliche Projektpartner in die Weserstadt, um über Fortschritte zu berichten.

14 Tage dauert der Besuch von Pater Peter D´Souza, der als indischer Jesuit sein Leben den Ureinwohnern Sabarkanthas widmet. Jetzt gibt es für ihn in Minden jede Menge Hände zu schütteln. Zahlreiche Eltern, Kinder und Kirchengruppen unterstützen seit zwölf Jahren das Wiederaufforstungsprojekt. Gestern bot sich Zeit für eine Stippvisite im “Eine-Welt-Dorf“* an der Königschule. Dort steht neben einem westfälischen Bauernhaus und einem Rundhaus aus Mtae ein indisches Bauernhaus. Gebäude, die die globale Reichweite humanitären Engagements aus Minden verdeutlichen sollen, wie die stellvertretende Schulleiterin Gudrun Wöpkemeier erläutert.

Der Kontakt nach Indien kam bereits im Jahr 1984 zustande, als Erhardt Wichmann nach Indien reiste. Der damalige Pfarrer und Schulreferent von Minden-Lübbecke lernte damals Pater Peter kennen. Neben seiner Arbeit im Schülerheim und in der Schule in Meghrai in Sabarkantha engagierte sich der indische Jesuit in der Wiederaufforstungsarbeit, die nicht zuletzt durch Spendenaktionen in Minden vorangetrieben wurde.

In den vergangenen Jahren kam es zudem zum Bau von Erddämmen und Konturgräben zur Wassergewinnung. Inzwischen existieren auch drei Stauwerke, um bei ausbleibendem Regen die Aufzucht von Bäumen zu ermöglichen. Und: Eine Kompostanlage für Bioabfall und Kuhdung erzeugt Dünger für die Pflanzen. 24 000 Bambus-Bäume und 100 000 Teak-Bäume, ihre Überlebensrate beträgt 30 bis 40 Prozent, sind allein in diesem Jahr gepflanzt.

[...]

Achtung: Artikel, Fotos und sonstige Informationen aus dem MINDENER TAGEBLATT / MT-ONLINE
sind urheberrechtlich geschützt und dürfen nicht ohne Einwilligung der Chefredaktion verwandt werden.

* Mehr zum “Eine-Welt-Dorf“ an der Königschule unter Projekte der Friedenswoche Minden: Kinder und Jugendliche bauen ein Weltdorf
http://www.friedenswoche-minden.de/projekte.html

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September 2004

Alle Dämme sind voller Wasser !!

Vom 28. Juli bis zum 24 August hat es über 500 mm in Meghraj geregnet. Alle Dämme sind voller Wasser. Damit ist die Wasserversorgung für die nun kommenden langen Trockenmonate gesichert.

Viele Bauern können jetzt nach dem Ausfall der Sommergetreides Winterweizen anbauen und mithilfe ihrer vollen Brunnen bewässern; ein Ergebnis der Dammbaumaßnahmen, die durch "Bäume für Sabarkantha - die Brunnen wieder füllen" ermöglicht wurden.

Pater Peter wird vom 27. September bis zum 9. Oktober in Minden sein, Schulen und Kreise besuchen. Dazu wird noch gesondert eingeladen.

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August 2004

Endlich etwas Regen - Sabarkantha atmet auf

Nach über einem Monat angstvollen Wartens hat es endlich drei gute Regentage gegeben. „Kristallklares Wasser steht hinter dem Damm in Bhadwaj“, gab Pater Peter die frohe Nachricht telefonisch nach Minden weiter. Eine Bäuerin war mit der Botschaft aus dem kleinen Dorf an der Grenze zu Rajasthan zu dem Geistlichen gekommen. Jetzt kann der vor zwei Jahren gebaute Damm dafür sorgen, dass das Grundwasser für die umliegenden Brunnen aufgefüllt wird.

Anders sieht es bisher beim zweiten großen Damm im Dorf Navagam aus. Das Sperrwerk wurde in diesem Frühjahr mit den Spenden der Schülerinnen und Schüler aus der Realschule Lahde gebaut. Ein Erddamm und ein gemauerter Überlauf sollen das Wasser aus einem weiten Tal aufstauen. Hier steht Wasser bisher nur in den Erdgruben, aus denen das Erdreich zum Dammbau gewonnen wurde. Der Niederschlag ist vom ausgetrockneten Ackerboden des Tales vollständig aufgesogen, der kleine Bach, der das Stauwerk füllen sollte, hat noch nicht zu laufen begonnen.

Eigentlich hatte die Regenzeit Mitte Juni gut angefangen. Mehrere Schauer ließen den Ackerboden feucht und weich werden. Die Bauern konnten pflügen und säen. Als der Mais aber aufgegangen war, hatte der Regen aufgehört – in den folgenden 40 Tagen kam kein Tropfen mehr vom Himmel. „Die jungen Maispflänzchen sind gleich wieder vertrocknet, kaum dass sie aus der Erde hervorkamen“, so der Projektpartner der Mindener Aktion „Bäume für Sabarkantha“ am Telefon. „Jetzt Anfang August lohnt es nicht mehr Getreide zu säen. Die Regenzeit geht nur bis Ende September, zwei Monate reichen nicht für den Anbau von Mais.“

Das ist bitter für die armen Bauern von Sabarkantha, die im Sommer Mais und Reis, und im Winter Weizen für die eigene Ernährung anbauen. Jetzt können sie nur noch Gras auf ihren kleinen Äckern säen, damit wenigstens ihr Vieh, Rinder und Ziegen ausreichend Futter findet.

Die Landwirte, in deren Bereich einige der über 130 Erddämme mit der Hilfe von Spenden aus Minder gebaut wurden, hoffen jetzt noch auf einige zusätzliche, starke Schauer. Dann kann sich Wasser im Stauraum der Sperrwerke sammeln .Wenn das einige Male geschieht, bildet sich soviel Grundwasser, dass ihre Brunnen vielleicht ausreichend Wasser für ein kleines Feld Weizen im Winter liefern.

Für die 11 Bauern aus Badwaj ist das schon fast Gewissheit. Dank des felsigen Einzugsgebietes, das auch kleinere Regenfälle schnell in den kleinen Bach leitet, ist ihr Damm voll und staut das Wasser auf über hundert Meter Länge. Das wird ihren Brunnen im Winter zugute kommen.

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Juni 2004

Sommerregen in Sabarkantha hat begonnen

Nach den heißen Monaten März bis Juni können die Bauern Sabarkanthas mit den Feldarbeiten beginnen. Am 10 Juni gab es den ersten kräftigen Regen über Meghraj: 30 mm verzeichnet das Metoreologische Institut Delhi für den kleinen Ort in Sabarkantha, dessen Bauern seit vielen Jahren von Gruppen und Einzelnen aus Minden und Umgebung unterstützt werden. Anschließend regnete es noch dreimal mit zusammen 80 mm. Das ist ein hoffnungsvoller Anfang der Sommerregenzeit.

Wie schon in den Vorjahren sind auch im letzten Jahr mit dem Geld aus Minden wieder viele Erddämme und im Dorf Navagam ein größerer Erd -Steindamm gebaut worden. Er wurde rechtzeitig zum Monsun fertig.

Erd-Steindamm im Dorf Navagam

Der große Damm wird aller Wahrscheinlichkeit nach die Wasserführung von 12 Brunnen unterhalb des Dammes und 11 Brunnen oberhalb verbessern.
(Brief von Pater Peter vom 5.6.04): Die oberen Brunnen können etwa 20 Hektar Land mit Wasser versorgen, die unteren nun 20.4 ha bewässern. Zusammen leben 25 Familien um den Damm herum. Das erste, was der Damm bewirken wird, ist dass die Grundwasservorräte wieder aufgefüllt werden. Das bedeutet, dass die meisten der genannten Brunnen, soweit sie in der Regel im Sommer trocken fallen, dies Problem nicht mehr haben werden. Bisher haben sie (im Sommer) nicht einmal mehr Trinkwasser bei normalem Sommerregen oder auch, wenn es (nur) 500 mm im Monsun regnet. Wir konnten das im Dorf Bhadwaj sehen, wo der andere große Damm gebaut wurde. Auch jetzt gibt es dort bei der Hitze noch in jedem Brunnen Wasser.

Normalerweise geben die Adivasi Wasser auch nahen Nachbarbauern ab. Sie nehmen 30 Rupien/Stunde, wenn das Wasser mit Diesel-, 50 oder 60 wenn es mit Elektromotor gepumpt wurde. Das ist normal, das Wasser je Stunde zu verkaufen durch ein Rohr von ca. 6.5cm. Wenn Wasser jetzt auch im Winter zur Verfügung steht, kannst du sicher sein, werden die meisten Bauern rings um den neuen Damm Weizen anbauen. Das können die meisten von ihnen jetzt nicht tun, weil sie keine eigenen Brunnen oder kein Wasser in ihnen nach der Monsunzeit haben.

Während des Monsuns bauen alle Mais an den Hängen der Hügel und Reis in den Talböden an. Wenn sie zusätzliches Wasser haben, werden sie auch Hülsenfrüchte wie ,Tuvar' oder ,Adad' kultivieren; diese Früchte brauchen im Vergleich zu Mais länger bis zur Reife, also müssen sie nach der Regenzeit zusätzlich bewässert werden.

Ein großes Problem wird der Damm auf jeden Fall lösen: Die Versorgung mit Trinkwasser in der heißesten Sommerzeit. Die Bauern erlauben normalerweise anderen Familien Wasser für den Hausgebrauch und fürs Trinken mit ihren Töpfen herauf zu ziehen - es sei denn, sie sind miteinander „verfeindet“.

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Dezember 2003 / Januar 2004

Wasserernte – eine Erfolgsgeschichte - Bericht über eine Reise nach Sabarkantha / Indien

Cornelia Haber, Lehrerin an der Realschule Lahde, Friedrich Wichmann, Informatiker aus Paderborn und Pfarrer i.R. Ehrhardt Wichmann waren vom 24.12 2003 an viele Tage in Sabarkantha und konnten sehen, was durch die Wassererntearbeit der letzten Jahre in vielen Dörfern, vor allem des Kreises Meghraj, geschafft wurde.

Sie erfahren mehr über die Besichtigung von Watershed - Maßnahmen auf der Sonderseite Wasserernte.

Dargestellt sind die folgenden Orte:
1. Bau eines Erddammes im Dorf Navagam *
2. Ruth-Damm in Bhadwaj *
3. Tivabhai in Panchal (Dorfteil Vilkuvedi)
4. Ambaliya in Vanka Khada
5. Mahila Mandal Treffen in Meghraj *
6. Mahila Mandal auf dem Dorf Dhandia
7. Besuch in Kudla, dem Dorf der 132.000 Bäume

Alternativ oder zusätzlich können Sie den Bericht in Druckfassung als PDF-Datei herunterladen. Der Umfang beträgt ca. 26 kB. Zum Download der PDF-Datei: Wasserernte – eine Erfolgsgeschichte

Mehr über die Besichtigung von Watershed - Maßnahmen Wasserernte

* Zu diesen Bereichen sind Videos verfügbar. Um sich einen visuellen Eindruck zu verschaffen, können Sie je nach Qualitätsanspruch bzw. Downloadmöglichkeit folgende Videos herunterladen:

Begruessung.rm [213.912]
Begruessung.wmv [5.899.237]

Navagam.rm [174.949]
Navagam.wmv [3.531.205]

Ruthdamm.rm [228.762]
Ruthdamm.wmv [4.811.259]

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Weihnachts-Rundbrief 2003

Dezember 2003

Liebe Freundinnen und Freunde von „Bäume für Sabarkantha – die Brunnen wieder füllen“!

Das war ein Sommerregen, wie alle ihn sich gewünscht hatten! Ende Juni kamen die Monsun- Schauer und feuchteten den seit drei Jahren ausgetrockneten Boden. Erste Bäche liefen die Täler hinab und stauten sich vor den kleinen Erddämmen. Und das Beste: Der Regen hörte nicht wieder auf wie in den vorangegangenen Jahren. Es goss und goss – einmal sogar 60 mm an einem einzigen Tag!

Endlich ein gesegnetes Jahr für die Adivasi- Bauern. Auch wenn eine ganze Anzahl der neuen Erddämme anfangs brachen, weil sie innen staubtrocken und noch nicht gefestigt waren und wieder geflickt werden mussten: Der Mais wuchs übermannshoch und besonders das an die Mahila Mandal Mitglieder (Frauengruppen, von denen viele Entwicklungsimpulse auf den Dörfern ausgehen) verteilte Saatgut bewährte sich und versprach eine gute Ernte. Viele Bauern versuchten es bei der reichlichen Feuchtigkeit auch mit Reis.

Als es gar nicht aufhörte zu regnen, wünschten sich die Dorfbewohner auch ein bisschen Sonne, weil der Mais schon gelb zu werden begann. Die erwünschte Sonne kam – aber mit ihr Heuschrecken (aus der Tharr- Wüste im Norden Rajasthans glaube ich) – aber ehe die einen zu großen Schaden anrichten konnten, goss es schon wieder in Strömen und die gefräßigen Schwärme verschwanden dahin, wo sie hergekommen waren.

Der Brunnen auf dem Schulgelände hatte wieder Wasser, eineinhalb Jahre hatte er trocken gestanden. Um Wasser einzufangen, hatte Fr. Peter das Sportfeld zeitweise mit einem niedrigen Erdwall umgeben lassen und so als Wasserbecken umfunktioniert.

In den vorangehenden Dürrejahren waren jeweils in der Hoffnung auf genug Regen 100.000 Teaksetzlinge gepflanzt worden. Nur wenige schlugen aus. Ich nehme an, dass sie es wie unsere im Herbst gepflanzten Büsche oder Bäume machen: Erst ausreichend neue Wurzeln bilden, dann treiben. Eine ganze Menge dieser „Teakstumps“ haben erstaunlicherweise die zwei Jahre Dürre überlegt und doch noch ausgetrieben – Zeichen der Hoffnung.

Am 15. Dezember werde ich nach Indien aufbrechen, um erst einmal eine Woche bei Freunden in Mumbai zu verbringen. Von dort fahre ich nach Ahmedabad, um mich am 23.12. mit meinem Sohn Friedrich und Frau Cornelia Haber, Lehrerin in Lahde, zu treffen. Gemeinsam fahren wir weiter nach Meghraj/ Sabarkantha, um dort einige Zeit zu bleiben.

Dort erwartet uns ein reichhaltiges Programm: Besuch in der dortigen Schule, Weihnachtsfeiern des Schülerheimes mit Tänzen und Dramas, Mitternachtsmesse, Mahila Mandal – Treffen auf den Dörfern, Besichtigung der neuen Dämme und Konturgräben usw. Wir werden in die Brunnen gucken – uns hoffentlich über den hohen Wasserstand freuen -  winzige Tässchen Tee auf der Terrasse von Bauernhäusern angeboten bekommen und viele Gespräche führen. Herzliche Grüße aus Deutschland von Euch/Ihnen, den Unterstützern von „Bäume für Sabarkantha“ reisen mit. Wir werden erzählen, wie viele Menschen in unserem Land Anteil am Leben der Menschen in Sabarkantha nehmen und Dank und Grüße sammeln, die wir dann auf der Rückreise mitnehmen können. Im Gepäck werde ich auch einen Verrechnungsscheck über 8.000,- Euro haben, der soll die nächsten Dämme, Bäumlinge und Konturgräben mit finanzieren helfen.

Herzlichen Dank an alle, die die Arbeit für Bäume und Brunnen in Sabarkantha mit ihrer Anteilnahme und ihren Beiträgen durch das Jahr hindurch begleitet haben. Eine frohe Weihnachtszeit und ein gutes neues Jahr wünschen

Cornelia Haber, Ehrhardt Wichmann

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Juni 2003, Telefongespräch mit Fr. Peter

Meghraj, 16.6.03

Der erste Regen in Sabarkantha!!

Pater Peter, indischer Projektpartner von "Bäume für Sabarkantha - die Brunnen wieder füllen" teilte voller Freude telefonisch mit: Gestern Nacht hat der erste Regen das Gebiet um Meghraj erreicht.

In seinem Regenmesser wurden erste 14 mm gemessen, in manchen Dörfern ringsherum hat es erheblich mehr geregnet. Der Stauraum vieler Erddämme steht nun voller Wasser.

Einige der in den letzten Monaten mit Mindener Hilfe neu gebauten Dämme sind durch den starken Wasserdruck gebrochen, weil sie innen staubtrocken und damit zu weich waren. Sie werden so schnell wie möglich repariert. Für die Wiederherstellung steht ja jetzt feuchtes Erdreich zur Verfügung.

Auf dem Gelände der Kirche in Meghraj lagern Saatgut und Düngemittel für die vielen Bauern, die durch vier Jahre Dürre keine Möglichkeit mehr haben, an Saatkorn für die Bestellung ihrer Äcker zu kommen. Außerdem werden an die Mitglieder der Frauengruppen Futtermittel verteilt.

Nun hoffen alle, dass die zukünftigen Wochen weitere gute Regenfälle bringen, damit die lange Dürre- und Notzeit für Sabarkantha endlich ein Ende hat.

Letzte Meldung vom 22. Juni: Es sind 30mm Regen gefallen!!

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Februar 2003, Telefongespräch mit Fr. Peter

Montag, 24. Februar 2003

Die Wassersituation ist weiter kritisch

Auch die Ernährung der ca. 120 Jungen im Schülerheim bereitet Probleme. Durch die Dürre sind die Lebensmittelpreise so gestiegen, dass z.B. Gemüse fast unerschwinglich geworden sind.

Ich schlage vor, vom Geld für Bäume und Wassererntemaßnahmen in dieser Notlage für die Ernährung der Jungen 1.000 Euro (das sind ca. 40.000 Rupies) zu nehmen. Fr. Peter nimmt dieses Angebot sehr gerne an.

Inzwischen habe ich bereits eine Einzelspende für die Sicherstellung der Ernährung von 250 Euro angeboten bekommen.

Ehrhardt Wichmann

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Januar 2003, Brief von Fr. Peter aus Meghraj

29. Januar 2003

….. In den vergangenen drei Monaten haben wir in vier unterschiedlichen Dörfern eine Menge Wasser - Ernte - Arbeit getan. Meist waren es Kontur - Gräben, weil wir meinen, dass zuerst oben am Hügel angefangen werden muss. Später werden wir die Dämme aus Erde unten im Tal bauen.

Das bedeutet, dass wir selbst zuerst die richtige Lage der Gräben festlegen müssen, dann verfolgen, wie die Leute mit der Arbeit vorankommen und schließlich müssen wir die fertige Arbeit überprüfen, um die entsprechende Geldsumme für die getane Arbeit zahlen zu können. Fr. Maxim und ich machen das regelmäßig. Das kostet Zeit und Kraft.

Zur gleichen Zeit läuft noch sehr viel mehr Arbeit in zwei großen Dörfern, die an Rajasthan grenzen. Die Leute brauchen wirklich dringend solche (Entwicklungs-) Arbeit, weil sie keine anderen Einkommensmöglichkeiten haben. Und dann haben sie auch die Erfolge solcher Arbeiten in einigen Gebieten gesehen - Erfolge trotz der Tatsache, dass wir nur kümmerlichen Regen hatten - 204 mm in der ganzen Monsunzeit (normal 600 – 700 mm).

Einige Zeit im Januar waren wir mit der Feier des Jahrestages unserer Schule beschäftigt. Es war großartig. Meist Mädchen, die in traditionellen Gujarati, Panjabi und Kaschmiri - Kleidern mit viel Lippenstift auf ihren Backen und Lippen tanzten. Sehr rot!

…..

In den nächsten drei Monaten müssen viele Erddämme gebaut werden. Jeden Tag kommen Leute aus den Dörfern, die mich um weitere Arbeiten für ihre Dörfer bitten. Die Lage ist sehr traurig. Regierungsorganisationen haben einige Notstandsarbeiten wie Wegebau in Dörfern begonnen. Aber sie nehmen nur eine Person pro Familie - und das nur für 10 Tage, nicht mehr.

…..

Dann solltest du auch wissen, dass die Wassersituation auf dem Gelände der Katholischen Kirche Meghraj kritisch geworden ist. Vorher füllten wir unsere zwei kleinen Wassertanks auf dem Dach in weniger als 45 Minuten. Jetzt dauert es über zwei und eine halbe Stunde. Diese Entwicklung (zum Schlechteren) kam innerhalb von gerade 15 Tagen. So weiß ich tatsächlich nicht, wie lange es noch geht. (Tel. Vom 21.02: Jetzt dauert das Pumpen schon vier Stunden. „Die Jungen würden sich gerne einmal wieder waschen, aber dafür haben wir kein Wasser“). Das (Jahres-) Abschlussexamen der Kinder ist erst Mitte April. Wir könnten gezwungen sein, Wasser in großen Tankwagen von irgendwoher zu kaufen. Gott helfe uns…

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Januar 2003

Situation in Gujarat nach der Wahl zum Landesparlament
am 12. Dezember 2002

Bei der und nach der Wahl blieb es im Wesentlichen ruhig im Land. Der bisherige Regierungschef MODI, der mit seiner Hindu-Partei BJP und deren radikalen Flügel für die Massaker an Moslems und die bürgerkriegsähnlichen wochenlangen Unruhen im Frühjahr 2002 mit verantwortlich ist, gewann die Wahl mit mehr als Zweidrittel-Mehrheit.

Unter den Abgeordneten sind mehr als 30, gegen die (zum Teil auch wegen der Pogrome an bis zu 2000 Moslems) gerichtliche Verfahren anhängig sind. Das lässt für die Zukunft Gujarats und den Frieden zwischen der Mehrheit der Hindus und den Minderheiten von Moslems, Christen und anderen Religionsgruppen wenig Gutes erwarten:

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Dezember 2002, Schreiben Fr. Peter

17. 12. 2002

„…nun haben die rechtsradikalen Hindu-Nationalisten die Wahlen mit einer satten Mehrheit gewonnen. Unser Alptraum scheint gerade erst zu beginnen. In zwei Jahren, sagen sie, wollen sie Indien zu einem Hindu-Staat machen. Was auch immer das meint – Gott helfe uns. Er ist der Herr der Geschichte. Deshalb ist jetzt die Zeit, unseren Glauben zu stärken, indem wir uns an die Arbeit machen, die vor unseren Füßen liegt. Und tatsächlich gibt es viel zu tun.

…..

Die Wasserernteprojekte in den Dörfern gehen nun in größerem Maßstab weiter, weil immer mehr Bauern diese Arbeiten auf ihren Feldern machen wollen. Das liegt zum Teil auch daran, dass sie sonst keine Arbeit (Es ist Trockenzeit, kein Wasser in den Brunnen für Bewässerung = keine Feldarbeit) und auch nichts zu essen haben zu Hause. Die Regierung hat bisher keinerlei Notstandsarbeiten aufgelegt. (Die Regierung in Gujarat ist wegen der Pogrome des vergangenen Jahres praktisch pleite).

Den Bauern geht es wirklich sehr schlecht. Viele, die in die großen Städte um Arbeit gegangen waren, sind wegen der angebotenen Hungerlöhne zurückgekommen. Zuviel Wettbewerb für Billigarbeiter….“

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November 2002

5.11.02

3.000 Euro für Wassererntearbeiten aus Minden in Meghraj angekommen
Gesetz gegen Ureinwohner in Delhi erlassen

Die übersandten Euro 3.000,-- sind richtig in Meghraj angekommen. Sie werden gleich für die weiteren Vorbereitungsarbeiten der Wasserernte 2003 eingesetzt.

Mit dem Geld können z.B. 8 Erddämme finanziert werden. Acht Dämme bedeuten, dass die Brunnen von ca. 10 Bauernfamilien auf längere Sicht hin von den auch in schwachen Regenzeiten durch das aufgestaute Wasser entstehenden Grundwasserblasen versorgt werden können. Mit den Brunnen werden dann bei schlechtem Monsun die Maisfelder, sonst die im Winter übliche Saat von Weizen bewässert und dadurch gesichert.

Ebenso könnten mit dem Geld ca. 20 km Konturgräben bezahlt werden, die übereinander liegend die Felder an den Hängen vor Erosion schützen. Sie tragen auch zum Versickern  von Regenwasser bei und bewahren die im Tal liegenden Stauräume der Erddämme davor, zu schnell mit von den Hängen herabgespülter Erde aufgefüllt zu werden.

Acht Dämme oder die 20 km Konturgräben bedeuten 2.400 Tagewerke zu je 50 Rupien - also ein erhebliches Zusatzeinkommen für viele Adivasi -Familien in den Dörfern, in denen diese Wassererntemaßnahmen durchgeführt werden.

Eine solche Unterstützung der Adivasi-Bauern ist im Moment besonders wichtig, weil sie neben der Dürre auch noch von einem Gesetz bedroht werden, das von der hinduistischen Zentralregierung in Delhi am 3. Mai verabschiedet worden ist. Sein Inhalt: Die Ureinwohner Indiens, die sich vor Jahrzehnten früheres Forstgebiet am Rand ihrer Felder - zum Teil mit Duldung der lokalen Forstbehörden, die dafür auch Geld nahmen - bewirtschaftet haben, müssen es nach der Herbsternte zurückgeben.

Begründet wird diese gegen die Ureinwohner gerichtete Maßnahme mit dem Schutz des Waldes und dem Leben wilder Tiere. Es ist zwar unbedingt zu begrüßen, wenn die letzten Waldreste Indiens (nach der Unabhängigkeit 30 % Wald - jetzt nur noch 8 %) endlich wirksam unter Schutz gestellt werden. Tatsächlich aber ständen riesige seit Jahrzehnten wüste Flächen für Aufforstungen zur Verfügung, wenn das ernstlich gewollt würde. Dagegen fallen die Landflächen, die von etwa 14 .000 (Quelle: Times of India, 19.10.02) Adivasi-Bauern in Gujarat noch illegal bewirtschaftet werden, nicht ins Gewicht.

Wieviel solcher „Illegaler“ auf den Kreis Meghraj kommen, kann ich noch nicht sagen. Nach mündlicher Auskunft von Fr. Peter sind es sehr viele.

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Minden im September 2002

Liebe Freundinnen und Freunde von „Bäume für Sabarkantha“!

Seit Mitte September ist der Monsun, die Zeit des Regens in Sabarkantha endgültig vorbei. Er hat in Sabarkantha und speziell im Meghraj Taluka (entspricht in etwa einem Landkreis) nicht den erträumten Rekord-Sommerregen gebracht, den die Adivasi Bauern nach drei Jahre Dürre so dringend gebraucht hätten. Nur 23% des langjährigen Durchschnitts haben die staatlichen Wetterbeobachter gemessen.

Nach den Gesetzen des Landes Gujarat müsste jetzt Meghraj offiziell zum Dürregebiet ausgerufen werden - ebenso wie weitere 8 Talukas aus Sabarkantha. Das geschieht aber nicht, weil das aufschiebende Wirkung auf die von der Regierung schnell erwünschten Wahlen hätte. Schnelle Wahlen will die rechts-hinduistische Regierungspartei, weil sie hofft, dass die bisher ungesühnte Ermordung von über 800 und die Vertreibung von vielen 10.000 Moslems durch radikale Anhänger ihrer Politik bei den kommenden Wahlen honoriert wird. Fr. Peter hofft, dass dieses hässliche Kalkül nicht aufgeht. Ebenso ist nicht sicher, ob es schnelle Neuwahlen geben wird, weil es bisher noch keine Wählerlisten für die moslemischen Flüchtlingslager gibt. Solange gibt die Zentralregierung kein grünes Licht für die Wahlen.

Erschwert wird die politische Situation durch die neuerliche terroristische Mordtat in einem Hindutempel Gandhinagars, der Regierungsstadt Gujarats. Hoffentlich setzt das nicht wieder eine neue Gewaltwelle von Hindus gegen Moslems in Gang.

Was bedeutet das nun  für die Dörfer rund um Meghraj und  die Arbeit von Fr. Peter.

1.  Nachdem die erste Aussaat mit der Hauptfrucht Mais Anfang Juli (es hatte zwei Tage lang gute Regenschauer gegeben, die Bauern hatten gepflügt und gesät) in den nachfolgenden 4 regenlosen Wochen völlig vertrocknet war, konnte nach weiteren Schauern im August noch einmal gesät werden. Weil auch hier die nachfolgenden Niederschläge eher dürftig waren, erwarten die Bauern jetzt eine Ernte von 30 - 45 % des Durchschnittsertrages. Bei Selbstversorgern, die primär für die Ernährung der Familie produzieren, bedeutet das: Wenig zu essen, keine Möglichkeit, die notwendigsten Textilien oder andere Gebrauchsgüter zu erwerben. Die schon jetzt große Armut auf den Bauernhöfen wird weiter zunehmen.

2.  Um zusätzliche Verdienstmöglichkeiten zu schaffen, wird Fr. Peter weiter Wassererntemaßnahmen in den Dörfern durchführen: An geeigneten Stellen werden Erddämme gebaut. Die Hänge werden durch Konturgräben unterbrochen, um das in der Regenzeit hinab laufende Wasser aufzuhalten und versickern zu lassen. Für diese Arbeiten steht eine gewisse Summe von Caritas Indien zur Verfügung, die Fr. Peter erhalten hat, weil er sich inzwischen als Fachmann für Wasserernte in Nordindien einen Namen gemacht hat. Weiteres Geld kommt von uns. Ich kann ca. 3000.-- Euro überweisen - soviel ist bisher zusammengekommen.

3.  In Dörfern, in denen die ca. 50 Erddämme stehen, von denen viele in den letzten beiden Jahren mit Mitteln von „Bäume für Sabarkantha“ gebaut sind, ist die Lage zum Teil besser. Schon im vorigen Jahr hatten durch die Staudämme entstandene Grundwasserblasen dafür gesorgt, dass viele Brunnen reichlich Wasser gaben. Das ist trotz des noch geringeren  Niederschlages auch in diesem Jahr der Fall. Immerhin füllten sich die Stauräume der Dämme zwei mal, wenn auch nicht jedesmal bis zum Überlaufen. Fr. Peter hat Anfang September einige Fotos gemacht (leider funktionierte sein alter Apparat mal wieder nicht so sehr gut), die davon erzählen.

Auf der Rückseite des einen Bildes heißt es:

    Lalibhai aus dem Dorf Vanka Khada. Er steht inmitten seiner Felder, die eine reiche Maisernte versprechen. In den heißen Sommermonaten hat er auch ausgezeichnetes Gemüse gezogen. Wie du dich erinnerst, hatte er sehr viel Wasser in seinem Brunnen (13 m Okt. 2001), weil wir in und um seine Äcker eine Menge Wassererntemaß- nahmen durchgeführt hatten.
    Andere Fotos zeigen weite Felder, die mit Gras bedeckt sind: Da müsste jetzt eigentlich saftig grüner Mais stehen - Foto Sept./Ende der Regenzeit“, lautet der Kommentar.

Weitere Nachrichten:

Der Versuch, Bäume zu pflanzen ist leider in diesem Jahr wieder gescheitert. Von den in Süd Gujarat für je 1.25 Rupien (umgerechnet 3 Cent pro Bäumling - Kaufkraftver- gleich: etwa soviel, wie ein Ei kostet) eingekauften 100.000 Teak-Bäumlingen sind die meisten in den vier trockenen und heißen Wochen nach dem ersten Regenschauern vertrocknet. Ebenso erging es den Grasvarietäten, die Fr. Peter in eine landwirtschaft- lichen Versuchsanstalt besorgt hatte, um die Erddämme zu befestigen.

Das Haus von Fr. Peter, vorher ein dunkles und stickiges Sichtbeton-Monstrum mit einem undichten Flachdach ist inzwischen fertig umgebaut und gut zu bewohnen. Als Fr. Peter im letzten Jahr auf seiner Europareise war, hatte der Bauunternehmer den Balkon gegen die Absprache sehr groß gebaut. Dafür bekam Fr. Peter von seinem Bischof bei der Einweihung einen „reingewürgt“. „Das sind ja Allüren wie beim Buckingham Pallace.“

Noch eine hoffnungsvolle Nachricht zum Schluss: „Eine andere gute Sache, die ich gehört habe ist, dass die Regierung eventuell die gleiche Art von Wassererntearbeit in unserem Gebiet in großem Stil durchführen will. Das habe ich jedenfalls gehört, mal sehn, ob es stimmt.“ (Brief 14.09.02)  Wenn es stimmen sollte, hätten wir mit unserer kleinen Hilfe wichtige Impulse für eine Verbesserung der Situation des ganzen Gebietes geleistet.

Danke für alle Ermutigung, Nachfrage, finanzielle Hilfe. Ich hoffe im Spätherbst 2003 wieder nach Indien fahren zu können. Dann kann ich mit eigenen Augen sehen, was in den letzten drei Jahren dort geschehen ist.

Mit lieben Grüßen
Ehrhardt Wichmann

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September 2002

6.9. 2002

Inzwischen ist offiziell von Regierungsseite in Gujarat festgestellt, dass der Kreis Meghraj zu den 16 Kreisen gehört, die weniger als 30 % des durchschnittlichen Sommerregens erhalten haben. Die Zahl für Meghraj lautet bisher 23 % des durchschnittlichen Regens. Größere Regenmengen sind gegen Ende der Monsunzeit nicht mehr zu erwarten.

Hoffentlich wird nun endlich der Dürrenotstand für Meghraj ausgerufen - dann könnte es vielleicht staatliche Hilfen geben.

3.9. 2002 In Meghraj hat es 30mm geregnet.

Das reicht zur Durchfeuchtung der oberen Schichten des ausgetrockneten Bodens. Ob der Regen so kräftig war, dass er hier und da den Stauraum hinter den Erddämmen gefüllt hat, ist nicht bekannt.

Auf jeden Fall wird sich durch den Regen die katastrophale Futterlage für die Ziegen und Rinder der Bauern für die nächsten Wochen verbessern.

Der Regen ändert aber nichts daran, dass die überwiegende Zahl der Bauern im Kreis Meghraj keine Hoffnung auf eine Ernte hat.

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August 2002, Brief von Fr. Peter

Catholic Church Meghraj / 2. Aug. 02

Mein lieber Freund!

Im Moment, wo ich diesen Brief schreibe, genau jetzt ist ein Mob von über 200 Leuten aus einem nahen Dorf dabei und kappt barbarisch die Äste der Neem-Bäume auf dem Kirchengelände für ihre Rinder. Wir müssen hilflos dem schlimmen Geschehen zusehen, können sie nicht stoppen, bis darauf, dass wir versuchen sie dazu zu bringen keine großen Äste abzuschlagen. Jeder Schlag trifft und verletzt unsere Herzen.

Aber wir versuchen ja, ihre Schwierigkeiten zu verstehen. Jeder fragt sich, wie lange werden sie noch so weitermachen und überall Äste abschlagen. Aber mit dem Ausbleiben des Monsun-Regens in diesem Jahr werden nur wenige ihrer Ziegen und Büffel und Kühe überleben.

Wir gehören nun zu den Minderheiten, die dafür einen hohen Preis bezahlen müssen.

Das andere Elend sind unsere Teak Bäumlinge, die wir an die Bauern verteilt haben (100.000 Stück) und auch die unterschiedlichen Grassamen Proben. All das geht den Bach runter. Und daran zu denken, dass dies das dritte Jahr hintereinander ist, dass unser Baumpflanzprogramm ein Fehlschlag war! Die Kinder und alle auf unserem Gelände beten und beten um Regen. Nichts kommt.

Es ist besser ein Licht anzuzünden, als die Finsternis zu beklagen. So haben wir mal wieder begonnen, alte Handpumpen in den Dörfern zu reparieren, damit sie sich wenigstens Trinkwasser pumpen können. Jedesmal, wenn ich über die Dorfwege fahre, kommen die Leute in Haufen mich anzuhalten und um die Bereitstellung von Trinkwasser zu bitten. Unmöglich, das für alle zu schaffen. Aber wir versuchen denen zu helfen, die Handpumpen in der Nähe haben.

Caritas war so freundlich, uns kürzlich einiges Geld für Wasserernte Projekte (Dämme) zu genehmigen. Sobald das Geld kommt, werden wenigstens 3 Dörfer sofort mit der Arbeit beginnen Regenwasser (imJuni 2003 erhofftes) zu ernten. Mit dem Vorschuss, den ich ihnen geben werde, werden sie Gras und Futter für ihre Rinder kaufen. Früher konnten wir Heu aus Nachbarstaaten in Lastwagen heranbringen. Aber dieses Jahr haben alle angrenzenden Staaten ebenfalls Dürreprobleme.

Die Regierung des Staates (Gujarat) hat das Parlament aufgelöst. Deshalb wird es keine vom Staat finanzierten Dürre-Hilfsprogramme geben. Abgesehen davon sind bei fast vier Monaten allgemeiner Lähmung durch den Ausbruch von Gewalt (zwischen Hindus und Moslems) die Staatsfinanzen fast bankrott. So sehen wir nicht, was sie unseren armen Adivasis geben könnten. Die regierende rechtsradikale Partei (BJP) von Gujarat will im Oktober Wahlen abhalten. Sie hoffen, dass die Hindumehrheit sie wählen wird, weil sie daran denkt, wie es mit der ethnischen Säuberung hier gelaufen ist. Aber niemand bei Verstand wird (hoffentlich) solch eine Partei wählen, die nur negative Erfolge vorzuweisen hat.

Wir bekommen es einigermaßen geregelt mit dem wenigen Wasser im Brunnen dicht bei meinem Raum. Unser offener Brunnen (30m tief) ist seit Januar trocken. Aber wegen der großen Wassersammellöcher hinter dem Haus ist im nahen Bohrloch immer noch Wasser. Wie lange es reichen wird, ist schwer zu sagen. Aber wenn es versiegt, haben wir keine andere Wahl, als Schülerheim und Schule zu schließen. Sie sagen alle, dies sei die schlimmste Dürre seit 12 Jahren, aber ich finde, 1987/88 war es ebenso schlimm. Allerdings, der Grundwasserstand war nicht ganz so schlecht.

Unser Kirchengrundstück sieht grotesk aus ohne Blätter an den Bäumen ringsum. Wenigstens mein Raum ist nun er geworden. Auch das Schülerheim nebenan. Das meint auch weniger Chance für die Moskitos sich zu vermehren.

Die Feldfrüchte in den Dörfern (Mais) sind alle vertrocknet. Die Leute lassen die Rinder auf den Feldern weiden, ein sicheres Zeichen, dass die armen Bauern die Hoffnung auf Regen für Jahr aufgegeben haben.

3.8.  Heute Nacht hat es ein bisschen geregnet. Genug, die Erde zu feuchten. Mehr nicht.

Fr. Peter s.j.

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Juni 2002

Regen in Sabarkantha!

Minden, den 28.06.2002

Liebe Freunde,

ich schreibe euch in großer Freude, dass der Monsun nun endlich nach 14 tägiger Verzögerung Meghraj/Sabarkantha erreicht hat.

Im Süden Gujarats hatte es schon eine Weile geregnet (wie ich im Internet auf der Karte "progress of monsoon" des indischen Wetterdienstes regelmäßig verfolgt hatte. Aber der Monsun wollte und wollte nicht das letzte Stückchen bis Ahmedabad und dann noch die letzten 170 km bis ins Bergland an der Grenze zu Rajasthan vorrücken. Nun hat er es zwei Tagen in einem Anlauf geschafft. Es regnet in Meghraj!

In einem Telephonat mit Fr. Peter hat er mir den guten Anfang des Sommerregens bestätigt. Die Stauräume hinter der Erddämmen haben sich mit Wasser gefüllt. Einige wenige haben dem Wassermassen nicht standgehalten und sind gebrochen, werden aber sofort wieder repariert. Die vielen Kilometer Konturgräben halten das Regenwasser an den Hängen auf und lassen es versickern. Fr. Peter hat sofort 100.000 Teakbäumlinge in Südgujarat für je. 1.15 Rupien bestellt. Fr. Maxim ist auf dem Weg, sie zu besorgen und abzuholen. Dann können bald wieder neue Bäume gepflanzt werden.

Viele herzliche und frohe Grüße
Ehrhardt Wichmann

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Mai 2002

Liebe Freundinnen und Freunde von „Bäume für Sabarkantha“!

Die letzten Wochen in Gujarat, dem Staat, in dem Meghraj/Sabarkantha liegt, waren Zeiten von Schrecken und Angst durch rassistisch/religiöse Unruhen, die immer noch kein Ende zu finden scheinen. Nach den Anschlägen auf Christen im Sommer 2000 richtet sich jetzt die von radikalen Hindus organisierte Verfolgung gegen eine andere religiöse Minderheit im Staat Gujarat, die Moslems. Einige Moslems haben selbst den Anstoß zu den Unruhen gegeben, als sie einen Zug mit von Ajodya zurückkehrenden Hindu-Pilgern in Brand setzten. Unter den Pilgern gab es viele Opfer.

Kurze Erinnerung: In Ajodya stand eine jahrhundertealte Moschee, die vor vielleicht 8 Jahren vom Hindu-Mob zerstört wurde, weil an ihrer Stelle ein Ram-Tempel wieder errichtet werden sollte, der im Mittelalter von moslemischen Herrschern abgerissen worden war. Seitdem ist Ajodya Symbol für den neuen aggressiven Hinduismus. Regelmäßig werden Pilgerfahrten dorthin organisiert, um für den Wiederaufbau des Ram-Tempels zu demonstrieren. Bisher wird das von der Zentralregierung verhindert.

Seit dem Anschlag auf den Pilgerzug sind in Ahmedabad, aber auch überall auf dem Land, über 800 Moslems erschlagen und verbrannt und von ihren zerstörten Häusern, Geschäften und Hotels vertrieben worden. Zehntausende leben seitdem in relativer Sicherheit von Flüchtlingslagern . Von den zum Teil in hohen politischen Ämtern in Gujarat sitzenden Drahtziehern des Aufruhrs ist bisher keiner und von den übrigen Rädelsführer so gut wie keiner für Anstiftung zu Mord und Brandstiftung zur Verantwortung gezogen. Deshalb ist die Furcht der Moslems begründet, dass ihr Leben und Eigentum auch weiterhin nicht sicher ist.

In dem kleinen Städtchen Meghraj sind viele Geschäfte der Moslembevölkerung geplündert und verbrannt. Die Moslem, soweit sie nicht in größere Städte geflohen sind, drängen sich in den Stadthäusern ihrer Glaubensbrüder mit etwa 2000 Flüchtlingen aus umliegenden Dörfern zusammen. Geld und Nahrungsmittel werden knapp. Immer wieder verhängte die Polizei nächtliche Ausgangssperren, um neue Unruhen zu unterdrücken. Trotzdem kommt es weiter zu Übergriffen. Die Infrastruktur der Hindu-Terrorgruppen ist auch in Meghraj von der Polizei verschont. Der Anführer der Schlägerbande z.B, der vor zwei Jahren mit einem Trupp Jugendlicher das Wohnheim der Jungen auf dem Gelände der kath. Kirche stürmen wollte und dabei Fr. Peter schlug, ist trotz Anzeige bisher unbehelligt geblieben.

Kein Wunder, dass die beiden Jesuiten, Fr. Peter und Fr. Maxim, die Mitarbeiter und Schwestern unter ständiger Anspannung leben. „Wir fühlen uns wie Fremde im eigenen Land“, schrieb Fr. Peter. Immer wieder müssen Nachtwachen der älteren Schüler organisiert werden, besonders auch für den Wohnbereich der Schwestern und Schülerinnen, Bisher ist nichts geschehen. Aber die Drohung ist gegenwärtig, dass nach den Moslems auch wieder die Christen Ziel gewalttätiger Übergriffe sein könnten.

Diese Bedrohung wird dadurch verstärkt, dass Fr. Peter bittenden Moslems Hilfe gewährt. Er fragte mich, ob er einen Teil der Deutschlandgelder in dieser schwierigen Situation dafür nehmen könne. Ich habe zugestimmt und setze auch euer Einverständnis voraus.

Unter diesen Umständen leiden die geplanten Wasser - Rückhalte - Arbeiten. Bisher wurden vor allem Konturgräben fertiggestellt, die parallel zu den Hügeln gegraben, das Oberflächenwasser und damit auch die Erosion stoppen und das Wasser versickern lassen sollen. Bis vor Weihnachten waren ca. 20 km dieser flachen Gräben fertiggestellt. Für diese Arbeiten wurden an die 300.000 Rupien an mehr als 300 Familien ausgezahlt (Pro Familie etwa 30 Tagelöhne). Am 16.1. kamen über 100 Leute von Navagam, ein paar Tage später mehr als 200 Mahila Mandal Frauen, um das Geld für ihre Arbeiten zu erhalten.

Wegen der Auszahlung gab es mit dem Dorfleiter (Mukhi) des Dorfes Navagam Probleme. Er wollte die Auszahlung früher, weil das seine Position bei der kommenden Wahl stärken würde. Fr. Peter aber bestand darauf, erst nur einen Teil zu zahlen, da die Arbeiten noch nicht fertiggestellt waren. Als nun der Mukhi die Wahl verlor, gab er Fr. Peter die Schuld daran und startete eine Verleumdungskampagne. Ich weiß nicht, wieweit das Problem inzwischen durch geplante Gespräche entschärft werden konnte.

Nachdem ich bisher bei Anrufen in Meghraj einen bedrückten und sorgenvollen Fr. Peter sprach, scheint die Situation sich wenigstens stimmungsmäßig seit meinem letzten Anruf Ende April etwas gelöst zu haben. Die Arbeiten auf den Dörfern gehen weiter. Jetzt sollen nach dem Erfolg der Erddämme des Jahres 2001 weitere solche Sperrwerke aufgeschüttet werden. In den Brunnen im Einzugsgebiet der alten Dämme ist das Wasser inzwischen gefallen, reicht wohl aber noch bis zum kommenden Regen (siehe „vergleichende Studie...“). Bis dahin können weitere Dämme aufgeschüttet werden. Die anliegenden Bauern haben trotz des dürftigen Regens gute Ernten (erst Reis bzw. Mais, dann Weizen) einbringen können.

Herzlichen Dank allen, die dazu beigetragen haben, dass im vergangenen Jahr insgesamt 26.000 DM überwiesen werden konnten. (Eine Abrechnung von Fr. Peter in der Anlage - das Rechnungsjahr geht in Indien bis März.) Im April konnte ich weitere 6.000 Euro überweisen. Fr. Peter ist über diese Hilfe und auch über das Interesse an seiner Arbeit sehr glücklich.

Für die, die sich politisch engagieren wollen, mache ich am Ende des Briefes (in meinem etwas dürftigen Englisch) Formulierungsvorschläge für einen Brief an den indischen Präsidenten. Vielleicht hilft es ein bisschen, wenn die Zentralregierung merkt, das die Massaker im Teilstaat Gujarat (die nach dem gerade veröffentlichten Untersuchungsbericht von Human Right Watch, New York mit von Offiziellen des Staates Gujarat organisiert und verantwortet wurden) auch in anderen Teilen der Welt Aufsehen und Erschrecken hervorrufen. Bei einem solchen Brief darf auf keinen Fall der Name Sabarkantha/Meghraj oder Fr. Peter verwandt werden, um Fr. Peter nicht zu gefährden. Vom „Norden Gujarats“ sprechen.

Soweit mein Bericht. Ich hoffe sehr, dass ich im nächsten Rundbrief Erfreuliches Berichten kann: Zum Beispiel von einem pünktlichen und lang andauernden Sommerregen, der alle Dämme mit reichlich Wasser füllt, auf den Feldern eine gute Maisernte und auch wieder Baumpflanzungen ermöglicht. Mitte Juni könnte der Regen kommen.

Herzlichen Dank! Einen guten Sommer!

Ehrhardt Wichmann

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Formulierungsvorschlag für einen Brief an den indischen Präsidenten

To  the President of the
Republic of India
Mr. Kocheril Raman Narayanan
New Delhi

Since many years there is a partnership between people and students in the North of Gujarat and Minden/Germany. We heard about the riots in Gujarat in the newspapers and in the Internet. We are deeply shocked about the murdering and burning between Moslems and Hindus. We cant believe, that the police does not stop that terror.

We cant believe, that those who are responsible for the more than 800 murdered people are not prosecuted. We ask you to do all to stop the riots in Gujarat, to help the victims and to prosecute the guilty.

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Anlage:

Vergleichende Studie der Wasserernte
Catholic Church Meghraj   April 2002

 

Positive Ergebnisse durch die Staudämme:

„Ohne Zweifel haben die Staudämme und das mehrfache Stoppen des Wasserabflusses durch diese erdenen Dämme das Regenwasser in den Untergrund einsickern lassen. Das hat die Grundwasservorräte wieder aufgefüllt wie man an den unterschiedlichen Brunnen sehen kann, die wir aufs geradewohl ausgewählt haben, den Wasserspiegel zu messen. April ist der heißeste Monat ebenso wie der Mai, wo die Temperaturen wieder auf bis zu 45 Grad steigen. Trotzdem werden in diesen Gebieten die Brunnen etwas Wasser haben, Trinkwasser und für die Tiere. Wenn weitere solche (Damm-) Arbeiten gemacht werden, wird  möglicherweise im nächsten Jahr noch mehr Wasser im Untergrund gespeichert werden können So weit machen die Arbeiten Mut. Jetzt werden wir anfangen, einige der im letzten Jahr gebrochenen Dämme zu reparieren, dann eine größere Anzahl neuer Dämme im Gebiet dieser Dörfer zu bauen, um noch bessere Ergebnisse zu bekommen. Im Moment müssen wir leider in Navagam die Arbeiten einstellen wegen interner Querelen mit dem Dorfleiter (er verlor gerade seine Wiederwahl zum Mukhi - Dorfleiter)“

Aktuelle Links:
Situation in Gujarat: www.timesofindia.indiatimes.com
(Link nach Ahmedabad wählen)
Menschenrechtsfragen in Indien: www.sabrang.com

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März 2002

Zu den Unruhen in Meghraj / Gujarat

Telefonischer Bericht aus Meghraj

 31.3. 2002

Ostern selbst war friedlich. Aber zur Mitternachtmesse in der Kapelle auf dem Gelände des Schülerheims in Meghraj hatten sich nur wenige Christen gewagt, 15 kamen von außerhalb. Es fahren seit langem keine Busse und Gemeinschaftstaxen. Und die Leute wagen sich wegen der allgemeinen Unsicherheit nicht aus dem Haus.

Fr. Peter sagte:
Es ist schwer zu buchstabieren, was Ostern und Osterfreude und Hoffnung unter diesen schwierigen Verhältnissen heißt. Die Zukunft ist unsicher.

Die Regierung bewegt sich von schlecht zu noch schlechter.

In die Stadt Meghraj haben an die 2000 Moslems vom flachen Land Unterschlupf gesucht. Sie wohnen eng zusammen in den Häusern der dortigen Moslem. Die Häuser der Flüchtlinge vom Land sind verbrannt und zerstört. Von Ahmedabad bis Baroda steht kein einziges Geschäft und kein einziges Hotel mehr, das Moslems gehört hat. Deshalb wissen die Leute nicht, wohin sie zurückgehen sollen.

Fr. Peter gibt Bittsuchenden der Moslem kleine Hilfen, er fragt, ob er in der Not von dem gesammelten Geld aus Minden etwas geben darf. Ich habe ihm das zugesagt. In Meghraj darf allerdingst niemand außerhalb der Hilfesuchenden etwas davon erfahren, dass Peter den Moslems hilft, damit nicht die Christen selber zum Ziel von Angriffen werden.

Telefonbericht (Fr. Maxim)

Freitag, 8. März 2002

Es herrscht weiter Ruhe.
Ausgangssperre ist auf die Dunkelheit beschränkt.
Kraftfahrzeuge dürfen nicht nach Meghraj hinein.
Auf die Dörfer zu gehen ist möglich.

Telefonbericht (Fr. Peter)

Freitag, 5. März 2002

Inzwischen ist Ruhe in Meghraj. Das liegt an der traurigen Tatsache, dass vor zwei Tagen vier gewaltbereite Hindus, die nach Meghraj hineingehen wollten (wohl  in einem großen Trupp anderer) von der Polizei erschossen worden sind.

Seitdem herrscht Ausgangssperre, nur vormittags dürfen die Frauen für kurze Zeit aus dem Haus um einzukaufen. Die Polizei setzt diese Anordnungen mit Härte durch.

Fast alle Jungen aus dem Schülerheim sind nach Hause gelaufen.Die Mädchen sind geblieben, sie hatten Angst über die Straßen zu laufen.Fr. Peter und seine Mitarbeiter halten jede Nacht Wache.

Gewalt auch in Megraj/Sabarkantha
Telefonbericht aus einem Unruhegebiet von Gujarat

Dienstag, 2. März 2002

„Wir haben die letzten zwei Nächte nicht geschlafen“, sagte Fr. Peter, Projektpartner von „Bäume für Sabarkantha“ in Indien. Die Gewalt habe sich von der Großstadt Ahmedabad inzwischen aufs Land ausgebreitet. Trupps junger radikaler Hindus hätten viele Läden von Moslems in der kleinen Stadt Meghraj zerstört und angezündet. „Unsere Moslem -Nachbarn, die neben dem Schülerheim wohnen, haben sich in der Nacht in die Hügel gerettet, als das Brandschatzen in der Stadt begann“, erzählte der Pater weiter am Samstag Abend am Telefon. Ihnen sei nichts geschehen, auch den Schülerinnen und Schülern nicht, die bei ihnen in den Schülerheimen wohnen, berichtete er Ehrhardt Wichmann in Minden. Aber viele der Kinder seien vor Angst nach Hause in ihre Dörfer gelaufen, als die Unruhen begannen - viele Stunden zu Fuß, weil seit Tagen kein Bus fahre. „Die großen Jungen haben die Nächte über Wache beim Mädchenheim und bei den Schwestern gehalten“, so Fr. Peter. Polizeischutz sei hier auf dem Land kaum zu bekommen. Sie hofften aber und beten, dass die Gewalt bald zu einem Ende kommt.

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Januar 2002

Brief von Fr. Peter

16. Januar 2002

...heute sind über 100 Leute vom Dorf Navagam hier, um ihr Geld für die Konturgräben, die sie ausgehoben haben,  abzuholen. Vorher waren schon mehr als 200 Mitglieder der Mahila Mandal (Frauenorganisation) hier, um das ihnen zustehende (Geld) zu holen. In allein einem Monat haben wir fast 300.000 Rupien (ca. 75.000 EUR / 1 Euro = mehr als 40 Rupien) verteilt.

Nun wird im kommenden Monat die Arbeit an den Staudämmen mit den Überläufen beginnen.

Dann muss ich noch nach Dhera Dun (Landwirtschaftliches Forschungsinstitut im Staat Uttar Pradesh) wegen der Grassamen (auf den Erddämmen soll Gras gesät werden, das die Dämme durch besonders gutes Wurzelwerk stabilisiert). Das kann noch warten.

Inzwischen sind all die Leute mit reichlich Wasser in ihren Brunnen in der Nähe der alten (aus dem Jahr 2001) Staudämme glücklich mit ihrem Weizenanbau.

Im März werden wir eine vergleichende Studie anfertigen über die Höhe der Grund- wasserstände (in Brunnen in der Nähe von  Staudämmen und Brunnen außerhalb des Projektgebietes) und der Ernteerträge. ....

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Minden, im November 2001

Liebe Freundinnen und Freunde von „Bäume für Sabarkantha“!

Seit meinem Rundbrief vom April 2001 und der Einladung zu einem Abend mit Fr. Peter D’Souza für den Mindener Raum im August 2001 ist viel geschehen in Sabarkantha.

Der Regen kam pünktlich dies Jahr, aber der 2. Teil des Monsun Juli/Aug. enttäuschte.

Mitte Juni begannen heftige Regenschauer in Sabarkantha.

Wie ich schon im April geschildert hatte, stand für Baumschulen im vergangenen Winter kein Wasser zur Verfügung. Selbst die Trinkwasserversorgung  wurde für viele Dörfer schwierig. Deshalb konzentrierten sich alle Anstrengungen von Fr. Peter auf  Wassererntemaßnahmen. Dazu gehörten Konturgräben, die mehrfach übereinander an den Abhängen gegraben wurden. Sie sollten ca. 30cm tief und ca. 60 cm breit werden und jeweils nach 3- 5 Metern unterbrochen sein, damit das Wasser bei leichtem Gefälle nicht in den Gräben entlanglaufen und an der niedrigsten Stelle den Graben überspülen konnte. Zweck der Konturgräben: Regenwasser zu sammeln und versickern zu lassen. Außerdem sollen sich die mitgeführten Sedimente in den Gräben am Hang ablagern und nicht den Stauraum der Dämme unten im Tal auffüllen.

Die Erddämme sollten in schmalen Tälern bei einer Basis von 8 Metern bis zu 4 Meter hoch werden; die Breite 20 bis 30 Meter. Weiter unten im Tal wurden die Dämme niedriger geplant, je nach Breite des Talgrundes.  Auch die Dämme waren in erster Linie dafür gedacht, dass gestautes Wasser in den Boden sickerte und die Grundwasserreserven wieder auffüllte.

Am Bau der Erddämme und Gräben konnten sich viele Dorfbewohner beteiligen und so in der Not- und Dürrezeit Geld verdienen.

Die Ergebnisse der Wasserernte im Bereich von drei Dörfern waren überwältigend

Als die ersten heftigen Regenfälle Mitte Juni kamen, wurden einige der Erddämme überflutet und beschädigt (später wieder repariert). Die an den Seiten durch den gewachsenen Erdboden gegrabenen Überflüsse konnten die Wassermassen nicht schnell genug ableiten. Fr. Peter erzählte von dem Bauern Dhulabhai aus dem Dorf Navagam, der den Damm in unmittelbarer Nähe seines Hauses mitten in der Nacht gerettet hatte, indem er im strömenden Regen mit Hacke und Kreuzaxt den Überlauf vergrößerte. Als Fr. Peter den Bauern vor seiner Europareise besuchte, stand meterhoch Wasser hinter den Dämmen, die einer hinter dem anderen das kleine Tal sperrten. Und im Brunnen von Dhulabhai war tief unten das erste Wasser zu sehen - nach Jahren der Dürre.

Nach der Reise kam Fr. Peter wieder nach Navagam. Er schreibt (16.9.): „Meine größte Überrashung erlebte ich gestern, als ich nach Navagam kam, um den Brunnen unseres Freundes Dhulabhai zu sehen. ... der Brunnen war bis obenhin mit klarem Wasser gefüllt. Seine Frau füllte Wasser (in den Behälter) mit ihren Händen ein. Kein langes Seil wurde gebraucht. Als er mich den Hügel herunterkommen sah, lief er mir entgegen und fasste meine Füße um Dank zu sagen, ein Mal ums andere Mal. Er hatte nicht im Traum daran gedacht, wieder Wasser in diesem Brunnen zu bekommen - und dann bis an den Rand!   Das gleiche an anderen Orten (wo Dämme gebaut waren). Viele Bauern mit Dämmen hatten ‘paddy’ (Reis) gesät da wo das Wasser vor dem Damm gestanden hatte und der Reis stand grün und dunkel.“

Im Dorf Vanka Khadakonnte der Bauer Ramanbhai sein Reisfeld ohne Einsatz der Dieselpumpe einfach dadurch bewässern, dass er von seinem überlaufenden !! Brunnen einfach einen niedrigen Graben zum Feld zog.

Fr. Peter war so überglücklich über dieses Ergebnis, dass er (ausnahmsweise) noch am gleichen Abend bei mir anrief, um mich an seiner Freude teilhaben zu lassen.

Inzwischen laufen ihm Abgeordnete aus den Dörfern die Bude ein (gate crash) und bitten, am Dammbauprogramm mitmachen zu können. Brunnen, die Jahr für Jahr vertieft werden mussten, tiefe Löcher von 12 bis 15 Metern, zeigten sonst nach dem Monsun vielleicht 2 - 3 Meter Wasser am Grund - diese Brunnen haben jetzt 12 - 14 Meter Wasser (bis 175 cbm!). Wenn drei Stunden zur Feldbewässerung gepumpt wurde, steigt der Wasserspiegel nach 36 Stunden wieder auf die alte Höhe. Viele Bauern bauen dort, wo das Wasser am Damm gestanden hatte, Premium-Reis an, eine Qualitätssorte, die viel Wasser verlangt. Darüberhinaus haben sie genug Wasser für andere Felder und planen den Anbau von Winterweizen, der ja auch Bewässerung verlangt.

Nun sollen bis zum Dezember erst einmal neue Konturgräben in der Gesamtlänge von ca. 20 km oberhalb der Plätze gezogen werden, wo dann ab Januar weitere Erddämme gebaut werden. Dabei können  die Erfahrungen aus dem ersten Jahr helfen, die Bauwerke stabiler zu errichten: Die Überläufe sollen großzügig gestaltet und beim Bau muss mehr lehmiger Boden verwandt werden, damit der Damm nicht leckt. „Viel Arbeit“, meinte Fr. Peter. Im Moment ist er dabei die Frauengruppen in den betreffenden Dörfern zu besuchen und sie bei den Arbeiten zu beraten. Er schreibt: „Diese Projekte sind auch dazu da, die Mahila Mandals (Frauengruppen) stark zu machen, und das ist ein sehr langsamer Prozess“ Aber die ersten Erfolge machen Mut.

In den nächsten Wochen will Fr. Peter zu einem landwirtschaftlichem Entwicklungszentrum nach Dehra Dun (Uttat Pradesh) oder Jhansi (Media Pradesh) fahren, um sich dort beraten zu lassen mit welchen Baumsorten oder auch Gräsern die Böschungen der Dämme bepflanzt werden können.

Und dann sollen im kommenden Jahr wieder Baumschulen angelegt werden. Ich bin gespannt, was er mir über die früheren Pflanzungen berichten wird. Manche werden die Trockenjahre nicht überstanden haben und auch in dieser Regenzeit ist nur ein Teil des normalen Regens gefallen. Aber die „Wasserernte“ war trotzdem gut, das macht Hoffnung!

Noch ein Nachgesang auf den 50ger, die schöne Münze mit der Frau, die einen Baum pflanzt. Über viele Jahre war sie ein Lebenssymbol für „Bäume für Sabarkantha“ Ich bin traurig, dass dies mit dem Euro nun vorbei ist. Eine solche schöne Münze hat die neue Währung nicht zu bieten. Aber vielleicht könnten wir ab 2002 die neuen 20-Cent-Stücke als unseren Beitrag für die Bäume und Wassererntemaßnahmen in Sabarkantha sammeln. Machen Sie mit?

      Ehrhardt Wichmann

 

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Minden, im April 2001

Das verheerende Erdbeben im Westen Gujarats hat Sabarkantha zum Glück nur  schwach getroffen. Niemand ist zu Schaden gekommen. An Gebäuden gab es leichte Schäden. Ich war sehr erleichtert, am 27. Januar Pater Peter am Telefon zu erreichen und das von ihm zu hören. Die Folgen des Erdbebens sind allerdings bis in die Dürregebiete von Sabarkantha zu spüren: Es gibt so gut wie keine staatlichen Hilfen mehr für die notleidenden Bauern. Um so dankbarer sind  die Dorfbewohner um das Städtchen Meghraj herum, die durch Eure/Ihre Hilfe Arbeit und Brotgetreide erhalten können.

Am 3. März hat mir Pater Peter eine Abrechnung geschickt: 17.000 DM Überweisung nach Meghraj, das sind

 

Beträge in Rupien

Umrechnung 17.000 DM in Rupien =

421.460

Davon sind für 100.000 Teakbäumlinge im Sommer 2000 ausgegeben

150.000

für den Transport aus dem Süden

2.800

Hilfe an Vijaynagar (Ort, an dem Pater Peter vorher war) für Aufforstung

7.350

Summe der Ausgaben für Aufforstung

160.150

Bisher für 10 Erddämme ausgegeben

106.855

Summe der Ausgaben

267.005

Rest für den Bau von Erddämmen

154.455

 

Dieses Geld (154.455 Rupien) wird inzwischen verbraucht sein. Sobald drei- oder viertausend DM wieder auf dem Konto sind, werde ich das Geld überweisen, da es dringend gebraucht wird.

Lagebericht
(so wie ich ihn an die Zeitung gegeben habe, deshalb der Zeitungsstil)

Über dreißig Monate ist es her, dass es frisches Wasser für unsere Brunnen geregnet hat“, klagen die Bauern in Sabarkantha. „Im ersten Jahr war noch Feuchtigkeit tief unten in der Erde. Wenigstens für einen Teil unserer Felder konnten wir Wasser aus den offenen Brunnen pumpen, um den Winterweizen zu bewässern.“ Und auf den Winterweizen sind die kleinen Bauern in diesem hügeligen Gebiet im Norden Gujarats angewiesen, um ihre großen Familien zu ernähren.

Erste Bäume konnten geerntet werden

Auch brachten die in den letzten Jahren mit Hilfe der Mindener Initiative „Bäume für Sabarkantha“ gepflanzten Bäume erste Erträge: Holz für die Küchenherde zum Kochen, Streu zur Kompostbereitung und Zweige als Zusatzfutter für das Vieh. Die vor 8 Jahren gepflanzten schnell wachsenden Eukalyptusbäume konnten sogar das erstemal geschlagen und als Bauholz verwandt oder verkauft werden. Nach der Holzernte erwarten die Bauern durch die kräftigen Stammausschläge nach weiteren 4 - 6 Jahren neue starke Stämme.

Um manche Dörfer auf den Hügelkuppen, an den Feldrändern und steilen Böschungen konnte man die grünen Baumpflanzungen leuchten sehen.

Diese ersten Erfolge sind jetzt durch den fast vollständigen Ausfall des Sommerregens an zwei aufeinanderfolgenden Jahren in Frage gestellt. Viele der neu gepflanzten Bäume haben ihre Blätter verloren und drohen abzusterben. Frische Baumschulen konnten nicht angelegt werden, weil das Wasser zur Aufzucht der Bäumlinge fehlte. Die in der Hoffnung auf den Sommerregen des letzten Jahres gekauften 100.000 Teakbäumlinge sind zwar dank einiger oberflächlicher Regenschauer angewachsen, wie viele aber bis zum erwarteten Regen dieses Jahres durchhalten werden ist ungewiss.

Die Bauern von Dürre und Hunger bedroht    Täglich kommen mehr Bauersfrauen auf das Gelände der Kirche von Meghraj und bitten um Getreide: „Unsere Maisernte ist aufgebraucht,wir haben fast nichts mehr zu essen.“  „Weizen konnten wir nicht anbauen, der Brunnen steht seit einem Jahr  trocken. Unser Trinkwasser müssen wir eine halbe Stunde weit herholen. “ „Das Schlimmste ist, die Regierung von Gujarat gibt uns nichts mehr. Sie können nicht, sagen sie. Sie müssen den Erdbebenopfern helfen.“ So und ähnlich klingen die Klagen der Frauen.

Aber die Mittel von Pater Peter sind begrenzt.  Die letzten Reserven waren fast aufgebraucht. Das wenige Geld wurde nicht einfach für Nahrungsmittelgeschenke, sondern für Wassererntemaßnahmen eingesetzt. Zahlreiche niedere Erdwälle, auf abfallendem Gelände angelegt, sollen das erhoffte Wasser des Sommerregens daran hindern, den Hügel hinunter zulaufen. Und wenn der  Niederschlag versickert, bildet sich neues Grundwasser.

Jetzt kam die Überweisung aus Minden gerade rechtzeitig. In einem Brief vom 27. Januar bestätigt der indische Priester den Empfang der 10.000 DM. „Mit der Hilfe dieser großartigen Überweisung sind wir jetzt mitten in der Arbeit beim 12. Erddamm.“

Den Erfolg solcher Maßnahmen  haben Bauern aus dem Dorf Dhandia im vergangenen Jahr schon erfahren.  Mit früheren Geldern aus Minden wurde ein ca. 20 Meter breiter Damm aus Backsteinen gemauert und wasserdicht verputzt. Als der abgesperrte Bach beim einzigen kräftigen Schauer, der in dieser Gegend fiel, ein paar Stunden Wasser führte, füllte sich der Stauraum und bildete einen Teich, der langsam in den Untergrund versickerte. Daraufhin trockneten die Brunnen in der Umgebung nicht aus wie vergleichbare Wasserstellen.

Weitere Dämme sind geplant. Allerdings nicht aus Stein, wie beim Damm in Dhandhia. „Zum Mauern fehlte  schlicht und einfach das Wasser“, berichtete Pater Peter am Telefon. „Außerdem sind Erddämme billiger und können mehr Familien mit Arbeit und das heißt auch mit Geld für die nötigste Nahrung versorgen.“ 

Mal sehen ob wir es schaffen, insgesamt 30 solcher Dämme mit dem Geld aus Minden zu finanzieren. Immerhin haben die Dorfbewohner jetzt verstanden, wie wichtig es ist, ihren größten Schatz, das Wasser nicht weglaufen zu lassen, sondern es aufzuhalten und zu hüten. Jeden Tag kommen zwei oder drei Abordnungen aus unterschiedlichen Dörfern und wollen mitmachen; teils wegen der Nahrungsmittelknappheit, teils wohl auch, weil ich dafür geworben hatte, das Wasser aufzuhalten.“

Wie drängend die Not in Sabarkantha inzwischen ist, zeigt die Sorge des Priesters aus dem kleinen Ort Meghraj: „Ich fürchte, dass Dorfleute kommen und in unserem Lager einbrechen, um das dort (für das Schülerheim und für Hilfsmaßnahmen) liegende Getreide zu stehlen. Außerdem quälen uns die umliegenden Bewohner täglich mit ihrer Bitte um Wasser, wo wir selbst große Schwierigkeiten haben, unsere (120) Schüler mit dem nötigen Wasser zu versorgen.“ Inzwischen mussten die Schüler nach Hause geschickt werden, weil das Wasser auf dem Schulgelände für sie nicht mehr ausreicht. Eine schwere Entscheidung, denn bei ihren Eltern erwartet die Kinder Not und Hunger.

Arbeit in den Städten zu finden, wie das in früheren Notzeiten versucht wurde, ist wegen der wirtschaftlichen Rezession in Gujarat fast aussichtslos. Dazu kommen die unermesslichen Schäden durch das Erdbeben im Westen des Bundesstaates, dass alle Reserven und Hilfsmöglichkeiten der Regierung erschöpft.

Inzwischen habe ich Pater Peter eingeladen, im Sommer nach Minden zu kommen, um über seine Arbeit in Meghraj zu berichten. Er hat zu einer Europareise (Besuch von Unterstützern auch in anderen Ländern) die Erlaubnis seines Ordensoberen bekommen. Vom 21. August an wird er für ca. 14 Tage in Deutschland sein. Über das Programm werde ich noch berichten.

Gute Wünsche für ein warmes Frühjahr (in Sabarkantha ist es jetzt über 40 Grad!) und einen angenehmen Sommer

Ehrhardt Wichmann

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Minden, im Januar 2001

Mit diesem Brief sage ich allen, die im vergangenen Jahr durch ihre kleinen und großen Beiträge die Arbeit in Sabarkantha unterstützt haben, ein herzliches Dankeschön . Das Kreiskirchenamt hat zwar seinen Jahresabschluss noch nicht gemacht, aber trotzdem kann ich sagen, dass etwa 17.800,- DM in diesem Jahr zusammengekommen sind.

Wegen des fehlenden Regens konnten auch im Jahr 2000 keine Baumschulen angelegt werden. Die relativ günstig in Südgujarat eingekauften 100.000 Teak-Bäumlinge sind zwar nach den ersten oberflächlichen Regenschauern im Juli gepflanzt, weil dann aber der weitere Regen ausblieb, ist es offen, wie viele der Setzlinge die kommende Hitzezeit März bis Juni überstehen werden.

Deshalb hat sich die Arbeit in Meghraj und Umgebung ganz auf Wassererntemaßnahmen konzentriert. Neben höhengleichen Konturwällen auf abfallenden Äckern sind mit unserem Geld einige kleine Staubecken entstanden, die nun auf den erhofften Sommerregen warten. Diese Becken sollen Regenwasser aufstauen und es im Boden zur Grundwasseranreicherung versickern lassen. Der erste kleine Damm in Dhandia scheint das schon erfolgreich getan zu haben.

Daneben sind noch zwei kleine Behälter zur biologischen Düngerherstellung finanziert worden. Das ist ein Pilotprojekt eines Landwirtschaftswissenschaftlers aus Ahmedabad. Der hergestellte (Kompost) Dünger hat trotz des nur oberflächlichen Regens bei den beteiligten Bauern zu guten Ernteergebnisssen geführt. Dazu liegen mir ein Zeitungsbericht der TIMES OF INDIA und ein Aufsatz aus dem Institut in Ahmedabad vor. Das Projekt soll weitergeführt werden.

Nachdem die erste Geldüberweisung des Jahres 2000 ein halbes Jahr gebraucht hat, bis sie das Konto von Pater Peter in Ahmedabad erreichte, habe ich mich bei der Transfer-Bank in Mumbai (Bombay) beschwert und dadurch einen positiven Email-Kontakt zum Senior Manager dieser Bank bekommen. Der hat mir versprochen, in Zukunft für eine reibungslose Weiterleitung des Geldes zu sorgen. Das hat  bei der zweiten Überweisung auch  geklappt. Zusammen konnte ich im vergangenen Jahr 17.000,-DM überweisen.

Bis auf die Überweisungsgebühren von zusammen 80,- DM sind keine Verwaltungsaufwendungen von den Spendengeldern bezahlt worden. Die Kassengeschäfte werden unentgeltlich vom Kreiskirchenamt geführt. Das Ausgaben für Porto, Kopien, Fotos und für die Kalender habe ich aus den Mitteln der Entwicklungszusammenarbeit (0,50 DM pro Einwohner jährlich vom Land NRW an die Gemeinden) von der Stadt Minden bekommen. Ich hoffe, dass das auch in Zukunft so sein wird.

Über die genaue Verwendung der Gelder in Meghraj habe ich von Pater Peter noch keine Aufstellung erhalten. Wenn ich sie bekomme, berichte ich darüber im nächsten Rundbrief.

Die kommenden Monate werden in Sabarkantha bitter werden. Höchstens bis März reichen die Vorräte der letzten Maisernte. Die Trinkwassersituation ist schwierig. Es gibt Dörfer, die  von Tankwagen versorgt werden müssen. Aus einem Rundbrief der Jesuiten in Ahmedabad entnehme ich, dass mehrere Schülerheime wegen Wassermangels geschlossen werden müssen.Ob das auch für das Schülerheim in Meghraj gilt, weiß ich nicht. Der Hauptbrunnen ist trocken. Aber die Schwestern mit dem Mädchenheim, ca. 200m jenseits der Straße haben glaube ich noch genug Wasser. Vielleicht können die irgendwie aushelfen.

Soweit die letzten Nachrichten. Noch einmal vielen Dank für alle Hilfe. Und ich hoffe sehr, dass im Herbst 2001 endlich wieder Baumschulen angelegt werden können, damit es neue Bäume für Sabarkantha geben kann.

Ehrhardt Wichmann

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Zur Situation in Sabarkantha Sommer, Herbst 2000

10.Mai 2000

Die letzten Monate waren extrem hart für unsere Leute wegen der Dürre. Am 8. Mai kamen etwa 300 Leute zu unserem Haus und baten um Getreide um Nahrung zu zubereiten (Mais/Weizen für Brotfladen). Ich war völlig hilflos, weil ich sie mit nichts außer Hoffnung auf später zurückschicken musste.

... Hilfe von Caritas Indien und CRS (Katholischer Hilfsdienst/ Hilfe aus den USA) erbeten. .. CRS verhält sich wie Vogel Strauß und steckt den Kopf in den Sand, weigert sich, die Situation zu sehen.

Trotzdem machen die Leute (in den Dörfern) weiter und legen Konturwälle auf den Abhängen an, um Regenwasser zu ernten.

Sobald, WENN GOTT WILL, der Regen kommt, werden wir die Teak - Bäumlinge von Südgujarat kaufen. Lasst uns beten, dass der Regen auf jeden Fall kommt.

Hier nimmt die Hitze immer noch zu und steigt langsam auf +42 bis +44 Grad. Nach 11 Uhr morgens fällt es schwer, in die Dörfer zufahren.

26. Mai

Inzwischen sind wir immer noch dabei, das Dürre-Hilfs-Programm durchzuführen. Heute sind mehr als 360 Leute eines bestimmten Dorfes hier, um Getreide für Arbeiten im Zusammenhang mit der Dürre zu bekommen. Die Ernährungssituation ist schlecht. Ebenso für das Vieh.

Wir hatten ein kleines bisschen Regen letzte Woche. Aber das hat nur den Staub gebunden.

Wie ich schon geschrieben habe: Wir haben mehr als 100.000 Teak Bäumlinge bestellt. Wenn der Regen kommt, kriegen wir sie aus Südgujarat. Gott sei Dank, ich habe  (dies Jahr) keine Baumschulen angelegt. Die meisten Brunnen sind ausgetrocknet, sogar der 85 Fuß tiefe auf unserem Schulgelände.

15. Juli

Die beste Nachricht ist, dass wir schließlich gute Regenfälle bekommen haben. Wirklich gute Schauer die ersten zwei Tage, dann ein ständiges Tröpfeln dazu seit gestern.

Das Wasser in den Brunnen wird Zeit brauchen wieder zu steigen.

Inzwischen haben wir täglich eine lange Schlange armer Leute stehen von den umliegenden Dörfern, die um Getreide zum Essen bitten. Sie haben auf ihren Feldern keine Ernte gehabt seit 18 Monaten. Ich sehe voraus, dass in den folgenden Wochen noch mehr Leute kommen.

Ich habe jetzt 100.000 Teak Bäumlinge gekauft , um sie in den Dörfern zu verteilen. Wir haben sie aus Südgujarat, das Stück für 1.50 Rs; keine sehr gute Qualität weil es auch dort wenig geregnet hat. Ich hoffe sehr, dass die Pflanzen das erste Jahr überleben werden.

Als ob das nicht genug Sorgen wären, sind unsere Brüder, die Hindu - Nationalisten eifrig mit ihrer Hass - Propaganda und Mord gegen Christen im Land. Auch in Meghraj fühlen wir ihren Hass. Wir mussten einen Kindergarten schließen und das Mahila Mandal Treffen in einem nahen Dorf absagen wegen ihrer gegen uns gerichteten Propaganda. Manche unserer Frauen, die zu uns halten, fürchten sich, das auszusprechen, weil die Männer sie einschüchtern.

18. September

Jetzt ist Meghraj (wieder) ruhig und kein Anzeichen eines etwa wieder kommenden Aufruhres am Horizont. Ich meine, wir haben genug gehabt für dies Jahr. In gewisser Weise ist diese Erfahrung auch eine gesegnete Zeit für uns gewesen. Besonders durch die Unterstützung der Männer und Frauen aus den Dörfern, die die ganze Zeit zu uns gestanden haben. Nach vielen Jahren habe ich jetzt das Gefühl, dass ich hier zu Hause bin.

Die Regenzeit ist praktisch vorbei. Die Leute haben Mais und Gras auf den Feldern. Es gab da einige gute, kräftige Schauer Mitte August.

Die Leute, die Teak Bäumlinge gepflanzt haben sagen, dass mehr als 90% angewachsen sind.

Inzwischen sind wir fleißig dabei, das Programm für Konturwälle auf den Hügeln durchzuführen, das von CRS finanziert wird. Der Erfolg dieses Programms wäre sehr sichtbar gewesen, wenn wir mehr Regen gehabt hätten. Die Bauern sagen: ‘Das Wasser ist bis jetzt noch nicht in die Bäche gegangen; wenn das geschieht, dann werden wir auch Wasser in unseren Brunnen haben.’

30. September

Nach den letzten Wahlen ist das Leben friedvoll hier. Die BJP (radikale Hindu-Partei) hat schwere Verluste in den Dörfern als auch bei den Wahlen zu den Stadträten hinnehmen müssen. Die Leute sind total desillusioniert über das, was sie geboten haben und auch über die übliche Gewalt der von ihnen unterstützten Gruppen wie VHP und Bajrang Dal. Ich hoffe und bete, dass der Fundamentalismus in all seinen Formen aus diesem Land verschwindet.

Letzte Woche bin ich in den Dörfern herumgefahren und war überrascht zu sehen, dass die meisten der Teak Bäumlinge, die wir den Bauern gegeben habe, angewachsen sind. Ich weiß allerdings nicht, wie viel länger sie noch der Dürre widerstehen werden, die schon jetzt begonnen hat.

Die Leute haben eine gute Maisernte gehabt, sagen wir ca. 80% trotz der sehr kärglichen Regenfälle zum Ende (der Wachstumsperiode). Die Spätregen sind sehr wichtig, um voll entwickelte Maiskolben zu bekommen. Auf jeden Fall werden die Bauern gut zu essen haben für wenigstens die kommenden sechs Monate. Für den Rest (gilt): Kein Regenwasser ist irgendeinen Bach hinuntergeflossen, also auch keine Verbesserung beim Brunnenwasservorrat. (Das bedeutet keine Winterweizenernte, weil die auf Bewässerung angewiesen ist).

Ich lege Zeitungsausschnitte für dich ein, damit du sehen kannst, was los ist.

...THE TIMES OF INDIA, Ahmedabad: Für die Städte Vadadora und Ahmedabad (4Millionen) „werden (bis zum nächsten Monsun) 15.000 Millionen Kubikfuß Wasser gebraucht. Aber der Wasservorrat im Panam und Kodana Damm (woher diese Städte ihr Wasser beziehen) beträgt gerade noch 8.000 Millionen Kubikfuß. Das reicht nur bis Ende März.“

Das tröstet mich, das diesmal auch das Stadtvolk in Ahmedabad Wasserknappheit erleiden wird zusammen mit unseren Leuten aus den Dörfern. Auf diese Weise werden sie die Notwendigkeit, Wasser zu sparen einsehen und wie die Umweltverschmutzung es verdirbt; anstatt in schnellen Autos herumzufahren und tiefe Rohrbrunnen zu bohren.

Ehrhardt Wichmann

weiter mit Kinder-Rundbriefe